Die Gründe von Menschen, die in unsere Suchtklinik zur Alkohol-Entwöhnung kommen, sind sehr verschieden und abhängig von vielen verschiedenen und sehr individuellen Faktoren. Drei große Bereiche lassen sich jedoch definieren, die wesentlich zu einer Alkoholabhängigkeit beitragen und eine mögliche Alkohol-Entwöhnung erforderlich machen: die biologischen Faktoren, die psychologischen Faktoren sowie die sozialen Faktoren.
Zu den biologischen Faktoren zählen die körperliche Gewöhnung, aber auch die erbliche / familiäre Vorbelastung. Körperliche Gewöhnung bedeutet, dass ein Gewöhnungseffekt eintritt, sodass die benötigte Konsummenge kontinuierlich erhöht werden muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Erbliche / familiäre Vorbelastung bedeutet, dass (laut Studien) Kinder von suchtkranken Eltern eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, selbst suchtkrank zu werden. Es wird vermutet, dass zudem tatsächlich eine erbliche Veranlagung für die Suchtentwicklung vorliegen könnte.
Zu den psychologischen Faktoren zählen psychische Verhaltensweisen wie der Belohnungseffekt und die Konditionierung. Das gemeinsame Abendessen, ein gemütlicher Fernsehabend oder der Feierabend entwickeln sich – oft schleichend – zu Situationen, die mit Konsum verbunden werden. Unbewusst entsteht eine Konditionierung und das Verlangen zu konsumieren, wenn die Situationen eintreten. Beim Belohnungseffekt schüttet unser Gehirn beim Konsum Botenstoffe aus, die ein gutes Gefühl vermitteln. Die angenehme, anregende oder auch entspannende und beruhigende Wirkung des Suchtmittels wird mit dem Konsum positiv verknüpft. Das Verlangen entsteht, diesen Zustand möglichst lange zu erhalten.
Zu den sozialen Faktoren zählen die familiäre Situation, gesellschaftliche Einflüsse und die jeweiligen Peer-Groups als Risikofaktor. Insbesondere die familiäre Situation in der Kindheit hat Einfluss darauf, ob sich eine Suchterkrankung entwickelt. Verhaltensweisen der Eltern gelten meist als Orientierung für Kinder und ihre eigenen Verhaltensmuster. Ist der Konsum von Suchtmitteln im Alltag der Eltern verankert, kann es später zu ähnlichen Verhaltensweisen und Konfliktlösungsstrategien bei den Kindern kommen. Auch mangelnde Fürsorge, Missbrauchs- und Gewalterfahrungen können Ursache für die Entwicklung einer Abhängigkeit, in diesem Fall als Verdrängungsmechanismus, sein.
Als gesellschaftliche Einflüsse gelten Faktoren wie die Verfügbarkeit der Suchtmittel, sowohl beim Erstgebrauch als auch beim weiterführenden Konsum. Alkohol beispielsweise ist allgegenwärtig, günstig zu erwerben und in unserem Kulturkreis fest verankert. Nicht zuletzt spielt das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle. Ist der Konsum von Zigaretten, Alkohol oder anderen Substanzen im direkten Freundeskreis Normalität, ist dies oft der Einstieg. Aber auch fehlende Anerkennung gekoppelt mit Beliebtheit oder Unsicherheit können Alkoholmissbrauch begünstigen.